nähe

„Begehren ist die treibende und anziehende Kraft, die von Selbstaffirmation und der Transformation negativer in freudige Leidenschaften angespornt wird. Es handelt sich nicht um das Begehren, etwas zu bewahren, sondern um das Begehren, etwas zu verändern: eine tiefe Sehnsucht nach Wandlung oder ein Prozess der Affirmation. Empathie und Mitgefühl sind Schlüsselfähigkeiten dieser nomadischen Sehnsucht nach tiefgreifendem Wandel. Der Raum des Werdens ist ein Raum der Affinität und Korrelation von Elementen, von miteinander kompatiblen und sich gegenseitig anziehenden Kräften und den konstitutiven Elementen des Prozesses. Nähe, das heißt Anziehung und intellektuelle Sympathie, ist sowohl ein topologischer als auch ein qualitativer Begriff: eine Frage der ethischen Temperatur.

Nähe bildet den affektiven Rahmen für das Werden von Subjekten als empfindsamer oder intelligenter Materie. Die Affektivität der Vorstellungskraft ist der Motor dieser Begegnungen und der konzeptionellen Kreativität, die diese Begegnungen auslösen. Sie ist eine transformierende Kraft, die vielfache und heterogene ‚Werden‘ des Subjekts vorantreibt.“

Rosi Braidotti