Modehandeln zwischen Bild und Text

Was ist Mode? Wie entsteht Mode? Ist Mode ein ästhetisches Phänomen? – Mode ist nicht nur Kleidermode. Mode ist ein transmediales Strukturprinzip ästhetischer Wahrnehmung. Mode als mediale aisthetische Formation kann praktisch alles kontaminieren: jede Form, jedes Material, jede Idee kann Medium der Mode werden. Mode ist ein Strukturprinzip, das selbst die Kunst erfasst und diesem System demnach kategorial übergeordnet scheint. Mode ist ein ästhetisches Phänomen, das sich nicht allein mit den traditionellen theoretischen Erkenntnis- und Reflexionswerkzeugen der Kunsterfahrung erfassen lässt.

Mode bedarf der Belebung, der Verkörperung (Lehnert), jedoch nicht nur als Kleidungsstück selbst, sondern auch in ihren anderen Medialisierungen. Diese Korporalisierungen (Krämer) von Mode im Medium Modemagazin ereignen (Mersch) sich durch die Kombination von Bild und Text und ihrer sich ergänzenden elliptischen Ikonotextualität im Wahrnehmungsprozess. Eine spezifische Atmosphäre (Böhme) entsteht, die Konstitution von Mode.

Durch die exemplarische Untersuchung der Text-Bild-Relation einer Modestrecke im Modemagazin lässt sich zeigen, dass und wie sich Mode erst im performativen Zusammenspiel der sinnlichen, aisthetischen Wahrnehmung von Text und Bild durch den Rezipienten konstituiert. Diese Verschiebung des sinnstiftenden Momentes von der ästhetischen Produktion hin zur aisthetischen Rezeption, eröffnet einen Spielraum, der als zurückeroberter Freiraum für den Rezipienten erfahrbar und nutzbar ist. Rezeption kann dann als ästhetische Eroberung verstanden werden. Basierend auf der Arbeit an meiner Dissertation werden theoretische Teilergebnisse anhand einer kurzen exemplarischen Untersuchung einer Modestrecke der VOGUE vorgestellt.


Vortrag auf dem VII. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik e.V. Ästhetik und Alltagserfahrung, 29. September bis 2. Oktober 2008, Friedrich-Schiller-Universität Jena 

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