{"id":45,"date":"1998-10-01T01:00:00","date_gmt":"1998-10-01T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/?p=45"},"modified":"2009-03-23T09:22:11","modified_gmt":"2009-03-23T08:22:11","slug":"jedem-bekleideten-menschen-sein-double-an-kleidung-hinzufugen-aartaud","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress498\/?p=45","title":{"rendered":"&#8230; jedem bekleideten Menschen sein Double an Kleidung hinzuf\u00fcgen &#8230;  a.artaud."},"content":{"rendered":"<p><!--StartFragment--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\"><span>&#8222;<em>Eine Sprache, die sich im Raum entwickeln soll und au\u00dferhalb von ihr ihren Sinn verliert<\/em>.&#8220;<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-186\" title=\"artaud21\" src=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud21.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"342\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><strong>Die<\/strong><strong> Inszenierung bewegt sich in einem abstrakten Rahmen. Sie realisiert keine dramatische Vorlage, sondern stellt eine Auseinandersetzung mit Antonin Artauds Forderungen in einem zeitgen\u00f6ssischen Kontext dar. Das sonst haupts\u00e4chlich auf dem Wort basierende Schauspiel wird durch das gleichberechtigte Nebeneinander der unterschiedlichen Ausdrucksmittel ersetzt. Es entsteht eine Textur oder Komposition aus Wort, K\u00f6rper, Bild, Raum und Musik.<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><strong>Die B\u00fchne wird durch eine raumgreifende Projektionsfl\u00e4che immer wieder ver\u00e4ndert. So entstehen f\u00fcnf verschiedene R\u00e4ume. Jeder dieser R\u00e4ume tr\u00e4gt eine eigene \u00dcberschrift. Thematisiert werden WORT, K\u00d6RPERLICHKEIT, K\u00d6RPER, FRAKTUR und RAUM. Der Spiel- und Handlungsbogen, die Gesamtheit der R\u00e4ume und ihre Dramaturgie spielen mit der Verschiebung der Wahrnehmung des Zuschauers.<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><strong>Die Musik macht Anleihen bei der\u00a0minimal music<\/strong><\/span><span><strong>, zu deren bekanntesten Vertrertern Komponisten wie Phillip Glass oder Steve Reich geh\u00f6ren. Die Szenen gewinnen ihre rhythmische und dynamische Struktur durch die komplexen Klangkompositionen von Schlag- und Marimbah\u00f6lzern.<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><strong>Die Kleidung der Spieler und Spielerinnen, insbesondere ihr Farbspektrum, verweigert sich einer direkten Einordnung in psychologische, symbolische und gesellschaftliche Konventionen. Diese bewu\u00dfte Uneindeutigkeit fordert dazu auf, \u00fcber Kleidung an sich nachzudenken.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-184\" title=\"artaud5\" src=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud5.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"206\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\"><strong>Inszenierung und Kleidung<\/strong> sind nicht voneinander zu trennen. Die Kleidung im theatralen wie im allt\u00e4glichen Raum spricht eine ihr eigene, spezifische Sprache \u2013 eine vestiment\u00e4re Sprache. Indem ich ein bestimmtes Kleidungsst\u00fcck anlege, spiele ich eine Rolle \u2013 eine mehr oder weniger fest umrissene Rolle. Durch die Wahl meiner Kleidung kann ich bewusst Abgrenzungen und Zugeh\u00f6rigkeiten aufzeigen, sofern ich die diversen Spielregeln der vestiment\u00e4ren Sprachspiele kenne und anzuwenden wei\u00df. Somit ist das t\u00e4gliche Sich-Kleiden immer auch eine Inszenierung der eigenen Person.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Die K\u00f6rperlichkeit des Schauspielers, seine Rolle und das Kost\u00fcm erg\u00e4nzen sich zu einer theatralen Figur. Die F\u00e4higkeit des Zuschauers dies zu verstehen, zu decodieren, und somit Bedeutung zu lesen, wird im kulturellen Raum erlernt, im Alltag. Interessant erscheint an diesen Verst\u00e4ndnismechanismen das Moment des bewussten Decodierens des Inszenierten, der inszenierten Kleidung. Im B\u00fchnenraum findet n\u00e4mlich eine Doppelung statt: Kleidung, die immer auch Inszenierung ist, wird in Szene gesetzt. Durch das konsequente Verfolgen der vestiment\u00e4ren Sprachspur \u2013damit meine ich das<span>\u00a0 <\/span>Darstellen und Offenlegen ihrer Funktionen und Mechanismen \u2013 folgt die M\u00f6glichkeit des Aufzeigens einer \u2018inszenierten Inszenierung\u2019 im Theater.\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/artaud-gran2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-440\" title=\"artaud-gran2\" src=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/artaud-gran2.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"633\" \/><\/a><span><strong>K\u00f6rperkost\u00fcm vs. Rollenkost\u00fcm: <\/strong><\/span><span>Die Kost\u00fcme sind in erster Linie Kleidung, d.h. eine Hose ist eine Hose, ein Kleid ist ein Kleid. Ihre Aufgabe ist nicht, Bedeutung in Bezug auf das szenische Spiel eines Darstellers zu produzieren, sie verdeutlichen keine Rolle. Das Kost\u00fcm legt keine rollenbez\u00fcgliche Individualit\u00e4t des Darstellers fest. Allerdings ist jedes Kleidungsst\u00fcck ma\u00dfgeschneidert. Es wurde dem individuellen K\u00f6rper angepasst, und dieser passt sich z.B. in seinen Bewegungen dem Kleidungsst\u00fcck an.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--StartFragment--><span>Jedem Kleidungsst\u00fcck entsprechen Textstellen, die Korrespondenzen und Korrelationen zwischen szenischem Spiel und K\u00f6rperkost\u00fcm erm\u00f6glichen. Die Identifikation des Darstellers mit dem Kost\u00fcm findet also neben der k\u00f6rperlichen Beziehung auch in der szenischen Besch\u00e4ftigung mit diesen Textstellen statt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span><strong>Farben und Formen:<\/strong>\u00a0<\/span><span>Die Individualit\u00e4t der Darsteller wird durch die spezifischen Schnitte und die diversen Farben betont. Die Farben werden als \u2018Nichtfarben\u2019 deklariert, denn \u00e4hnlich wie alle Nuancen von Grau, gemischt aus den eigentlichen Nichtfarben Schwarz und Wei\u00df, verweigern sie sich eindeutigen symbolischen und psychologischen Bedeutungszuweisungen sowie physikalischen Einordnungen. Ihre Qualit\u00e4t ist die Uneindeutigkeit ihrer Expression, das\u00a0<em>Dazwischen<\/em><\/span><span>.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><a style=\"text-decoration: none;\" href=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud32.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-182\" title=\"artaud32\" src=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud32.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"369\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Ihre Kombination f\u00fchrt zu einer spezifischen Homogenit\u00e4t der Mehrdeutigkeit. Einzelne Farben treten in ihrer individuellen Qualit\u00e4t zugunsten eines gemeinsamen Farbakkordes zur\u00fcck. Trotzdem k\u00f6nnen sich insbesondere durch die Kombination von zwei oder drei Farben auch farbintensivierende Kontraste ergeben oder harmonisierende Gleichkl\u00e4nge. Diese Wirksamkeit von Farben beruht auf physikalischen und biologischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die in diversen Farbtheorien erforscht und entwickelt wurden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><a href=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-183\" title=\"artaud4\" src=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud4.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"354\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><strong>Kost\u00fcm und Kollektion: <\/strong><\/span><span>Die Kleidungsst\u00fccke k\u00f6nnen als individualisierendes und kollektivierendes Moment verstanden werden. Die Individualit\u00e4t des einzelnen Kost\u00fcms ergibt sich aus dem Bezug auf die spezifische K\u00f6rperlichkeit der Darsteller, dem besonderen Schnitt und in der einmaligen Setzung einer Nichtfarbe. Die Homogenit\u00e4t der Kost\u00fcme wird durch die standardisierte Konstruktion der Schnitte anhand von Ma\u00dftabellen, durch wiederkehrende Schnitttechniken und durch harmonisierende Farbakkorde erreicht<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>Die K\u00f6rperkost\u00fcme als Gesamtheit werden als Kollektion begriffen und durch ein Label markiert. Dadurch wird eine besondere Identifikation des Darstellers mit der Gruppe erm\u00f6glicht und die homogene Individualit\u00e4t des Einzelnen betont.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><strong><a href=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-185\" title=\"artaud6\" src=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/artaud6.jpg\" alt=\"\" width=\"468\" height=\"640\" \/><\/a> <!--StartFragment--> <\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: center;\"><em><strong>&#8230;<\/strong><strong> 164. 272-275. 368-375. 436-442. 1389-1392. 1406-1411. 1470-1477. 1795-1812. 2939-2941. 3104-3141. 3215-3222. 3278-3284. 3931-3939. 3956-3960 &#8230;<\/strong><br \/>\n<\/em>\n<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Inszenierung im Rahmen des Semesterprojekts <em>Neun Reisen in die Welt der theatralen Zeichen\u00a0<span style=\"font-style: normal;\">im SS 1998 an der Universit\u00e4t Hildesheim, Leitung: Sven Sappelt, Katharina Schlieben, Dagmar Venohr.<\/span><\/em><\/p>\n<p><!--StartFragment-->\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><!--EndFragment--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 &#8222;Eine Sprache, die sich im Raum entwickeln soll und au\u00dferhalb von ihr ihren Sinn verliert.&#8220; \u00a0 Die Inszenierung bewegt sich in einem abstrakten Rahmen. 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