{"id":47,"date":"1998-12-10T17:14:12","date_gmt":"1998-12-10T16:14:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/?p=47"},"modified":"2018-08-25T13:25:57","modified_gmt":"2018-08-25T11:25:57","slug":"vestimentar-%e2%80%93-parasitar","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress498\/?p=47","title":{"rendered":"vestiment\u00e4r \u2013 parasit\u00e4r"},"content":{"rendered":"<p><!--StartFragment--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/vestimentar.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-48   alignleft\" title=\"vestimentar\" src=\"http:\/\/www.dagmar-venohr.de\/wordpress_neu\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/vestimentar.png\" alt=\"\" width=\"338\" height=\"243\" \/><\/a><\/strong><strong><span style=\"font-weight: normal;\">K<\/span><span style=\"font-weight: normal; \">ein Projekt, kein Statement, vielmehr eine Handlung, eine Tat und Tatsache, ein Objekt: ein Parasit. Mein K\u00f6rper, mein Dreck, mein Schwitzen, mein Schnaufen und St\u00f6hnen, meine Schmerzen, mein M\u00fcde, mein Zuviel f\u00fcr zuwenig Kr\u00f6ten haben etwas geschaffen: eine Idee, ein Machen, ein Lachen und Freuen, ein h\u00e4misches Grinsen. Nur ein Verstecktes in der Unterhose, im Kunstwerk eines ber\u00fchmten K\u00fcnstlers, zugegeben eines recht sympathischen, aber diese Sache mit der Edition, die dann eine kleine dumme Frau in der Provinz in Heimarbeit produziert, ich. Die Frage, was dann \u00fcberhaupt noch Kunst ist oder sein soll oder will. Was sie von mir will, nein, was ICH von der Kunst will und von mir, von meiner Pr\u00e4senz. Warum dieses Wollen, mich zu artikulieren, Teile von mir zu verarbeiten, meine Kleidung, MEINE Unterhose, meine Haut, mich einfach einzun\u00e4hen, zum Teil eines anderen zu werden, mich implementieren, mich parasitisieren, mich auf gar keinen fall l\u00e4nger prostituieren in keinem System, keiner Rolle, nicht in der Kunst, nicht von denen oder anderen, mich nicht l\u00e4nger pr\u00e4sentieren. Einfach machen, was die Finger k\u00f6nnen, was das Herz will und der Verstand sagt: N\u00e4hen. Meine Kleidung ist immer ein Teil von mir, an mir oder wo auch immer. Ich bin dort und hier, und vielleicht noch eher in der Unterhose hier als in irgendeinem anderen Innern, das auch keiner sieht \u2026<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\"><span>Zehn Jahre ist das her. Wie lange sind genetische K\u00f6rperspuren haltbar? Glaubt mir jemand, was ich da gemacht habe. Interessiert es \u00fcberhaupt noch? Mich hat es entlastet, ich habe mich gefreut, ich habe gelacht, gekichert, es Freunden erz\u00e4hlt, im Kleinen triumphiert. Meine Unterhose habe ich \u00fcbrigens die ganze Zeit &#8211; sechs Tage waren es &#8211; getragen, bevor ich sie gen\u00fcsslich zerschnitten habe und erst ganz zum Schluss eingen\u00e4ht habe, mit der Maschine. Erst einmal im Karr\u00e9 und dann noch mal ein Kreuz, wie markiert, vorne rechts am Henkel, glaub ich. &#8222;<\/span><span lang=\"EN-GB\">The copyright marks the border between the public and private domains!&#8220;, hat AA Bronson mal gesagt. <\/span><span>Und was markiert noch die Grenzen meines K\u00f6rpers? Parasit\u00e4r leben hei\u00dft, ausnutzen, was sich bietet, und leben lassen. Vestiment\u00e4r-parasit\u00e4r handeln hei\u00dft dann, mit Hilfe der Kleidung resistente Techniken entwickeln und anwenden: <strong><em>N\u00e4he Dich um Kopf und Kragen!<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\"><!--StartFragment--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Die Aktion <\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Im Dezember 1998 habe ich f\u00fcr <em>Texte zur Kunst<\/em><span> die K\u00fcnstler-Edition \u201eJockey Short shopping bag\u201c f\u00fcr AA Bronson von General Idea gen\u00e4ht. Es handelte sich um eine Unterhose von <\/span><em>Jockey<\/em><span>, die mit B\u00fcndchengummi als Henkel und an den Beinen zugen\u00e4ht, zu einer Tragetasche umgearbeitet wurde. In jede einzelne habe ich ein Teil meiner eigenen tagelang beim N\u00e4hen getragenen Unterhose eingen\u00e4ht. Es handelte sich um 123 St\u00fcck. Bezahlt wurde ein Honorar von 900,- DM. Verkauft wurde die handsignierte Edition zusammen mit einer kopierten Entwurfsskizze und den Teilen meiner Unterhose f\u00fcr je 400,- DM. Sie verkaufte sich nur schleppend. Seit Dezember 2007 ist sie vergriffen.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Ein Foto, eine \u00c4u\u00dferung und ein Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Foto soll eine Ahnung vermitteln von dem, was eben nicht dahinter oder darin verborgen liegt, sondern dem Betrachter irgendwie entgegenkommt.\u00a0Das kann jedoch nur geschehen im Zusammenhang mit der \u00c4u\u00dferung, die ein Gef\u00fchl vermittelt, wie die Fotografie zu verstehen ist. Diese Aussage erm\u00f6glicht erst ein Sehen dessen, was sich zeigt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Gespr\u00e4ch ist ein Plaudern \u00fcber das, was war und was in gewisserweise noch immer da ist. Das Sprechen \u00fcber die Aktion selbst ist sowohl eine Erl\u00e4uterung des eigentlichen Geschehens, als auch die einzige M\u00f6glichkeit der K\u00fcnstlerin eine erz\u00e4hlende Distanz zum Ereignis einzunehmen. Es erm\u00f6glicht einen Raum gemeinsamer Wahrnehmung, es schafft etwas Atmosph\u00e4risches, das andere Dimensionen des Erkennens von Ph\u00e4nomenen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Foto, \u00c4u\u00dferung und Gespr\u00e4ch bilden gemeinsam gleichsam einen Klang, der nachtr\u00e4glich die Wut, Sprachlosigkeit und Heimlichkeit einer n\u00e4henden Frau zum T\u00f6nen bringt.\u00a0Foto und \u00c4u\u00dferung liegen bereits vor. Das Gespr\u00e4ch ist geplant mit einer befreundeten Kulturwissenschaftlerin, die noch nichts \u00fcber die Aktion wei\u00df. Es soll aufgezeichnet und m\u00f6glichst genau in Text \u00fcbertragen werden, und zwar in Anlehnung an Transkribtionsverfahren f\u00fcr narrative Interviews.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u00a0<\/p>\n<p><!--EndFragment--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: left;\"><span>\u00a0<\/span><\/p>\n<p><!--EndFragment--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein Projekt, kein Statement, vielmehr eine Handlung, eine Tat und Tatsache, ein Objekt: ein Parasit. Mein K\u00f6rper, mein Dreck, mein Schwitzen, mein Schnaufen und St\u00f6hnen, meine Schmerzen, mein M\u00fcde, mein Zuviel f\u00fcr zuwenig Kr\u00f6ten haben etwas geschaffen: eine Idee, ein Machen, ein Lachen und Freuen, ein h\u00e4misches Grinsen. 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